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Bericht

15.6.2007: Genesis Live in Hamburg - Rock vom Feinsten

Genesis Als ich im Jahr 2005 in Sachen Genesis auf den Geschmack gekommen war, hätte ich mir nicht träumen lassen, die Band einmal live zu erleben. Die Gruppe war quasi totgesagt; nachdem Phil Collins 1996 abgehauen war und die beiden verbliebenen Mike Rutherford und Tony Banks auch mit einem neuen Sänger nichts Großes mehr zustande brachten, lag Genesis über Jahre brach, auch wenn es nie eine wirkliche Auflösung gegeben hatte. Anfang 2007 dann die Sensation: Genesis und Phil Collins sind wiedervereinigt und gehen gemeinsam auf Tour. Drei Wochen durch Europa, davon insgesamt neun Konzerte in Deutschland.

Als ich mitbekam, dass sie auch nach Hamburg kommen sollten, war die Freude entsprechend groß. Allerdings wurde es für meine Familie und mich knapp mit den Karten, da diese innerhalb kürzester Genesis Zeit vergriffen waren. Als wir die Tickets jedoch hatten, war alles in Ordnung und ich hoffte mit meinem Stehplatz natürlich möglichst nah am Geschehen zu sein.

Dann war es soweit: Freitag Nachmittag, 15. Juni 2007. Ich war bereits gegen halb vier mit dem Fahrrad zum Stadion gefahren und war erfreut, dass sich vor dem Eingang noch keine Massen drängten. Somit war ich einer der ersten und blieb in der Hoffnung, so nah wie möglich an die Bühne zu kommen. Um 18 Uhr war Einlass; durch die Sicherheitskontrolle schleuste man uns allerdings schon etwas eher, um ein mögliches Chaos bei dem steigenden Andrang zu verhindern. Gegen halb sechs begann es dann zu regnen. Es war kein starker Regen, aber ein zermürbender langer Dauerregen, der einen suxessive durchweichte.

Beim Warten am Eingang hatte ich mittlerweile die ersten Bekanntschaften gemacht. Da war ein Ehepaar - ich schätzte die beiden um 40 herum - die eine kurze Auseinandersetzung mit so einem Genesis Idioten hatten, der bereits seit dem Nachmittag völlig hacke war..., drei Jungs aus Bielefeld alle im Studentenalter, ein Mann aus Los Angeles, der extra für Genesis aus Ami-Land angereist war und noch ein Junge, Timo, der genauso alt war wie ich und mit dem ich mich auch noch drinnen im Stadion eine ganze Zeit unterhalten hatte.

Um 20:20 Uhr ging das Konzert endlich los. Der Regen hatte weitgehend aufgehört, was jeoch auch nichts mehr nützte, da man bis auf die Knochen nass war. Und wo stand ich: Tatsächlich vorne an der Brüstung, leicht links versetzt zur Bühne. Perfekte Sicht also... Während man draußen gewartet hatte, konnte man immer wieder hören, wie sich drinnen die Musiker einspielten. Bei den angespielten Stücken war unter anderem auch "Behind The Lines" dabei, ein tolles Stück mit einem unschlagbaren Anfang. Ich hatte mich schon so oder so gefreut, dass sie es spielen würden, aber dass dieses gleich der Anfangsknaller werden sollte, war unübertreffbar. Besser kann man ein Konzert einfach nicht eröffnen.

Mit einer unglaublichen Präzision spielten sich Collins, Rutherford und Banks zusammen mit ihren Bühnenmusikern Chester Thompson und Daryl Stuermer (alle fünf sind über 50 Jahre alt!) durch die Bandgeschichte. Und irgendwie war für jeden etwas dabei: Egal ob es nun Longs aus den 80ern wie "Home By The Sea" oder "Domino", Balladen wie "Afterglow, "Follow You Follow Me" Genesis oder "Hold On My Heart", alte Stücke, zu denen Muttern auf der Tribüne total abging wie "Ripples" oder "The Carpet Crawlers" waren oder halt die Hits, die jeder mitgröhlen konnte wie "No Son Of Mine", "Mama", "Invisible Touch" oder "I Can't Dance". Nach gut drei Stunden - zwischendurch immer wieder aufgelockert durch das Entertainment von Phil Collins, der Fotos vom Publikum machte, den Applaus koordinierte, Deutsch redete und sich über das Wetter beschwerte "Scheise Regen" - endete das Konzert und wohl kaum einer der Zuschauer fuhr nicht zufrieden nach Hause. Ich war übrigens mit dem Fahrrad eine knappe Stunde vor dem Rest der Sippe, die mit dem Auto gefahren war zu hause, da es wohl ein riesen Verkehrschaos auf den Parkplätzen gegeben hatte.

Mir tun die Leute leid, die diese Super-Show nicht gesehen haben oder nicht sehen wollten ;)
Und, liebe Leute: Wenn ihr mal irgendwen sagen hören solltet, die Musik von Genesis könnte nicht rocken, dann wisst ihr: Der Kerl hat von Rock Null Ahnung.


Die Songs des Abends:
Firth Of Fifth / I Know What I Like (1973)
In The Cage / The Cinema Show / Duke's Travels / Afterglow (1974/1973/1980/1977)
The Carpet Crawlers (1974)
Ripples (1976)
Drum Duet / Los Endos (?/1976)
Follow You Follow Me (1978)
Behind The Lines / Duke's End (1980)
Turn It On Again (1980)
Mama (1983)
Home By The Sea (1983)
Tonight Tonight Tonight / Invisible Touch (1986)
Land Of Confusion (1986)
Throwing It All Away (1986)
Domino (1986)
No Son Of Mine (1991)
I Can't Dance (1991)
Hold On My Heart (1991)

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