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Bericht

30.7. - 4.8.2007: Trainingslager Harz - Sommertraining in Wintersachen

Jugendherberge Schon lange Zeit vor dem Sommer hatte ich mich darauf gefreut, endlich mal in den Bergen zu fahren und mal ein Gefühl dafür zu bekommen, wie es ist, einen Anstieg hochzufahren, der länger ist als 1 km. Nachdem ich im Vorfeld auch an alternative Orte wie Schwarzwald oder gar Toscana gedacht hatte, entschied ich mich dann doch letztlich für Deutschlands nördlichstes Mittelgebirge aus finanziellen und auch logistischen Gründen, da die Anreise durch die Nähe zu Hamburg nicht allzu teuer oder kompliziert ist.

Tag Eins am Harz, genauer gesagt in Goslar, wo ich mich in der Jugendherberge einquartiert hatte, sollte für mich eigentlich schon der erste Trainingstag werden. Geplant war "zum Warmwerden" eine längere Runde durch das hügelige Harzvorland. Doch leider stand die ganze Aktion unter keinem guten Stern: Zwar hatte ich mich innerlich schon darauf eingestellt, dass ich unter Umständen im Dauerregen fahren würde, jedoch war es nicht Regen sondern kühle Temperaturen, verstärkt durch eiskalten Wind, die mich veranlassten, zurück zur Herberge zu fahren und mich umzuziehen. Wenig später verließ ich dann endlich Goslar in Winterklamotten bei gefühlten 10°C... Es dauerte nicht lange bis das nächste Problem auftauchte. Als ich auf eine Landstraße nach Westen abbog, bließ mir ein derartig starker Gegenwind entgegen, dass ich kaum vorwärts kam. Das war ja noch erträglich, immerhin würde ich auf dem Rückweg Wildemann dann Rückenwind haben. Doch als ich erneut abbog und nach Norden fuhr wurde aus dem Gegenwind Seitenwind und es wurde nahezu unmöglich das Rad auf der Straße zu halten. Ich fuhr noch etwas weiter, dann sah ich ein, dass das ganze keinen Sinn machte und kehrte wieder um. In den bis dahin wider Erwarten ausgebliebenen Schauer kam ich übrigens auf dem Rückweg.

Tags darauf hatte der Sturm nachgelassen, was mich jedoch wenig kümmerte, da es heute endlich in die Berge gehen sollte. Wieder war es sehr kalt und obendrein regnete es fast durchgehend auf der Tour. Meine anfängliche Angst vor den nassen Abfahrten blieb unbegründet, da es auch bei Nässe kein größeres Problem war, sauber und gerade zu bremsen. Was die Anstiege anging hatte ich mich ebenfalls verschätzt: Bei der nach Clausthal-Zellerfeld führenden Bundesstraße hatte ich mir nichts weiteres gedacht, da sie im Schnitt nur etwa mit 3% anstieg. Jedoch kann eine solche Steigung auf 12 km Länge ganz schön hart werden. Auch den Anstieg von Altenau nach Torfhaus (allgemein auch als "Steile Wand" bekannt) hatte ich unterschätzt bis ich am Dienstag ausgelaugt auf 830m Höhe über die Kuppe eierte. Dafür hatte ich später meinen Spaß auf der teils trockenen Abfahrt zurück über Oker nach Goslar.

Meine Hoffnung auf gutes Wetter erfüllte sich am Mittwoch. Doch auch heute kam wieder die Winterjacke zum Einsatz, da es trotz des klaren, sonnigen Wetters vor allem in den Bergen immer noch verdammt kalt war. Heute fuhr ich eine Tour über Clausthal nach Wildemann und Lautenthal, von wo aus ich dann nach dem Überwinden des Anstieges nach Hahnenklee wieder nach Goslar zurückfuhr. Erneut war ich schon von der ersten Steigung nach Clausthal gut geschlaucht, dann ging es lange Okerstausee leicht bergab bis Lautenthal. Der Anstieg nach Hahnenklee (immerhin letztes Jahr Bergwertung der 2. Kategorie (!) bei der Deutschland-Tour) war nicht viel leichter als der nach Torfhaus, da vor allem der Anfang mit ziemlich brutalen Rampen einem die Kräfte raubte. Die Abfahrt war wiederum sehr entspannend, einzig auf LKWs musste man etwas aufpassen. Am Nachmittag fuhr ich noch eine zweite Runde, diesmal wieder im Flachen.

Am vierten Tag war das schöne Wetter leider wieder vorbei auch wenn es nicht regnete. Obendrein hatte ich langsam mit schwindender Motivation zu kämpfen, was jedoch nicht nicht nur an dem harten Training mit den ungewohnt vielen Höhenmetern lag, sondern auch an den doch teils sehr öden Phasen, in denen ich nichts zu tun hatte. Einer der Nachteile, wenn man allein und schlecht vorbeireitet verreist... Dennoch fuhr ich heute ein zweites Mal nach Torfhaus. Auf die folgende Abfahrt hatte ich mich aufgrund der trockenen Straße und des Gefälles (9% auf 2,4km zurück nach Altenau) sehr gefreut, da ein weiteres Ziel von mir war, einen neuen persönlichen Tempo-Rekord aufzustellen. Das schaffte ich zwar auch, allerdings hatte ich mir doch etwas mehr als 58km/h vorgestellt. Naja, ich kannte halt die Abfahrten nicht so gut und obendrein hatte ich in Torfhaus starken Gegenwind, do dass die Kontrolle über das Fahrrad immer schwieriger zu halten war.

Freitag wars dann aus mit der Motivation! Wieder war es überwiegend bewölkt, obendrein windig. Das Gros des Tages hing ich in meinem Zimmer ohne Beschäftigung, raffte mich dann doch noch zu einer Tour auf, kam aber völlig lustlos und frustriert wieder, da wieder der Wind genervt hatte und obendrein meine Beine nach den harten letzten Tagen nicht mehr annähernd die volle Leistung bringen wollten. Letztlich fuhr ich diese Tour fast nur, um Zeit totzuschlagen.

Kurz ein Wort zur Jugendherberge: Man kann sicher nicht von einem Service wie in einem Sternehotel ausgehen, aber dafür, dass das Übernachten in den JHs äußerst preiswert ist, kann man wirklich von einer sehr guten Bewirtung sprechen. Damit meine ich nicht nur das Essen, das wirklich ausnahmslos an jedem Tag gut schmeckte, vor allem gab es nicht das widerliche Kartoffelpüree aus der Tüte, Brocken sondern auch die Unterbringung. Selbst als Einzelperson hatte ich ein überaus geräumiges Zimmer mit gemütlichen Betten und Waschbecken. Duschen und Klo waren drei Schritte von der Zimmertür entfernt. Großen Anklang finden Jugendherbergen scheinbar besonders bei Familien, denn von denen hielten sich doch einige dort auf. Jugendgruppen sind dort sowieso häufig, warum heißt die Einrichtung sonst wohl so?

Ironischerweise war am Abreisetag, dem Samstag in Goslar das Wetter am besten. Heute trainierte ich nicht, sondern sah mir die Altstadt und die Sehenswürdigkeiten von Goslar an, am Nachmittag holte ich mein Rad und mein Gepäck aus der Herberge und war gegen halb zehn nach einer angenehmen Zugfahrt wieder in Hamburg. Zurück von einer Reise, die so dermaßen anders als geplant gelaufen war: Ich hatte nicht nur nicht damit gerechnet, permanent in Wintersachen zu fahren, sondern hatte auch die Berge völlig unterschätzt. Somit fiel auch meine ursprünglich geplante Brockentour flach, da es mir von Goslar aus einfach zu weit entfernt schien. Dafür wird es aber sicher nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich im Harz war, denn die Gegend hat schon ihre Reize mit den endlosen Wäldern, rasanten Abfahrten, schweren Anstiegen und malerischen Bergdörfern. Einzig das Wetter spielt leider nicht immer mit; aber wo sollte auch sonst das viele Stauseewasser herkommen?

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